06 Wir stolpern ins Glück

Mit unserem geschrumpften Auto steuern wir unser nächstes Reiseziel an: die Malborough Sounds. Das ist ein im Norden der Südinsel gelegenes stark zerklüftetes Gebiet mit unzähligen Buchten, Inseln und Stränden. Es soll ein nach der Eiszeit vom Meer überflutetes Mittelgebirge sein. Māori, die Entdecker Neuseelands aus Polynesien, lebten hier seit 600 Jahren, als James Cook 1770 das Land in britischen Besitz brachte. Hier entstand im 19. Jh. der größte Walfängerhafen der Welt, und bis Mitte des 20. Jh. ist es der Ankerplatz für die Walfängerflotten des Pazifik. Heute ist die touristische Hauptattraktion der 71 km lange Queen Charlotte Track. Und da wollen wir hin!

Die mehr als zwanzig angepriesenen wunderschönen Campingplätze sind nun als Ausgangspunkt für uns tabu. Also gehen wir in die Vollen und mieten wir uns für drei Tage in der wunderschönen luxuriösen „Mahana Lodge“ übers Internet ein. (Für die Hauptsaison hätte man hier ein halbes Jahr im Voraus buchen müssen.) Sie hält, was sie verspricht: Zimmer mit Meerblick, nur wenig Gäste, mit denen wir interessante Gespräche führen. Aber erstmal müssen wir dahin kommen. Und das geht nur mit dem Wassertaxi. Zweieinhalb Stunden dauert die wunderschöne Tour durch die Marlbotough Sounds mit Stopp in einigen Buchten, wo die Post oder Waren oder Touristengepäck übergeben werden. So gut hätten wir dieses riesige Gebiet mit dem Kanu (ursprünglicher Plan) gar nicht erkunden können. Wir werden direkt am Steg der Lodge mit einem Mini-süßen-Lastenauto abgeholt. 0b wir besondere Wünsche an das 3-Gänge-Menü zu Abend hätten? Punkt 18 Uhr startet dieses persönlich vom Koch erläuterte Gourmet-Dinner. Wir können uns nichts Besseres vorstellen, müssen uns allerdings beim Abschieds-Dinner revidieren, denn hier übertrifft der Koch nochmal alle Erwartungen. 

Nicht nur das Essen, sondern auch die beiden Wanderungen auf dem Queen-Charlotte-Track mit jeweils 15 km bei herrlichem Sonnenschein sind ein Volltreffer. Die erste Tour führt auf dem Kamm entlang zum „Eatwells Lookout“ und bietet viele Panoramablicke. Am Ziel versucht ein neugieriger Weka, uns das Essen zu klauen. Wir sind nun nicht nur aus dem Reiseführer gewarnt und lassen unsere Wanderschuhe nun nicht mehr draußen stehen, denn Wekas lieben deren Schnürsenkel. 

Die zweite Tour in die andere Richtung führt entlang der zerklüfteten Küste zur „Furneaux Lodge“. Ganz anders ist hier die Vegetation mit echtem Urwald-Flair: Nikaupalmen, Sumpfzypressen, Lianen. Hier sollen auch kleine Pinguine ihre Nester bauen. Das Wassertaxi – von unserem Koch persönlich bestellt- wartet bereits. Wir sausen also eine halbe Stunde vor fahrplanmäßiger Abfahrtzeit zurück zu unserer  Mohana-Lodge. Der Ausstieg aus dem Taxi bei Ebbe gestaltet sich echt schwierig: schließlich krabbeln wir durch die Fensterluke des kleinen Schiffs. Der Kapitän lobt unsere sportlichen Kletterfähigkeiten und dankt uns. Dabei verhält es sich ja mit der Dankbarkeit umgekehrt. Das alles hätten wir uns selbst nicht organisieren können, denn hier gibt es weder Internet noch Telefon. Der Chefkoch empfängt uns mit der erfreulichen Nachricht, dass unser Camper repariert sei und morgen 12 Uhr übergeben wird. Das Wassertaxi hat er gleich für 11 Uhr bestellt. 

So können wir das Baden im Pazifik genießen, auch wenn das Wasser etwas kalt ist. Leider sehen wir kein Exemplar der hier lebenden Hector-Delphine (seltenste Delphine der Welt mit nur 1,50m ) oder Orkas. 

Als wir erfahren, dass die Straße, die wir ursprünglich als Einfahrt in die Malborough-Sounds nehmen wollten, derzeit mit einem normalen Auto nicht befahrbar ist, sind wir über diese Lodge-Lösung doppelt dankbar. Also: Glück im Unglück!